Supplementary Material for: Blended Psychotherapy – verzahnte Psychotherapie: Behandlungskonzept und Fallbericht zur Integration von Internet- und Mobil-basierten Interventionen in die Kurzzeittherapie von depressiven Störungen

Hintergrund: Blended Psychotherapy (bPT) ist ein Behandlungskonzept zur Integration von Internet-/Mobil-basierten Interventionen in die ambulante/stationäre Psychotherapie. Es kann den Therapieprozess bereichern, indem Online-basierte Behandlungselemente als verlängerter therapeutischer Arm genutzt und zwischen den Therapiesitzungen von PatientInnen zeit- und ortsunabhängig bearbeitet werden. Dadurch könnten die Effektivität von Psychotherapie potenziell verbessert oder mehr Therapieplätze durch die eingesparte Therapeutenzeit angeboten werden. Der Fallbericht soll ein Verständnis der Verzahnung der Behandlungselemente ermöglichen. Fallbericht: Die viermonatige Kurzzeit-Depressionsbehandlung einer 48-jährigen Patientin mit sechs Face-to-Face-Therapiesitzungen, sechs Online-Lektionen und App-Ratings wird nach den CARE-Richtlinien und auf Basis quantitativer und qualitativer Daten (Behandlungsdokumentation) dargestellt. Die depressive Sympto­matik reduzierte sich im Behandlungsverlauf klinisch signifikant (Patient Health Questionnaire [PHQ-9], 0–27: T0 = 17; T1 = 7) von einer mittel-schwergradigen zu einer subklinisch-milden Ausprägung und erfüllte im 12-Monats-Diagnostikinterview keine klinischen Diagnosekriterien. Die Patientin zeigte eine maximale Behandlungszufriedenheit (Fragebogen zur Patientenzufriedenheit [ZUF-8], 8–32: T1 = 32) sowie Adhärenz und bewertete die therapeutische Bezie­hung sehr positiv (Working Alliance Inventory [WAI], 12–60: T1 = 57). Schlussfolgerung: bPT war bei dieser Patientin ge­eignet, um depressive Symptome zu reduzieren. Stärken der Behandlung waren die gute Integrierbarkeit der Online-Behandlung in die Berufstätigkeit der Patientin und die Individualisierung in den Therapiegesprächen durch die Therapeutin. Die Vorgabe von sechs Therapiesitzungen schränkte den Behandlungserfolg insofern ein, dass nicht alle Behandlungsthemen therapeutisch bearbeitet und keine Rezidiv­prophylaxe durchgeführt werden konnten.