Supplementary Material for: Chancengleichheit in der ambulanten Therapie: Ein Experiment zur Bereitschaft von niedergelassenen Psychotherapeuten, Patienten mit Schizophrenie zu behandeln

<div>Hintergrund: Seit 2014 ist Psychotherapie bei psychotischen Störungen uneingeschränkt indiziert. Patienten mit psychotischen Störungen erhalten jedoch weiterhin selten eine ambulante Psychotherapie. Unklar ist, ob eine höhere Ablehnungsquote durch ambulante Psychotherapeuten dazu beiträgt. In einem Feldexperiment prüften wir, ob Patienten mit psychotischen Störungen auf Therapieplatzsuche häufiger von Therapeuten abgelehnt werden als andere Patientengruppen. Methode: Die Experimentatorin kontaktierte niedergelassene Psychotherapeuten mit dem Schwerpunkt «Verhaltenstherapie» (N = 60) und gab sich entweder als Patientin mit Schizophrenie oder als Patientin mit Depression aus. Wir erfassten die Zu- oder Absage der Therapeuten zu einem Erstgespräch, die voraussichtliche Wartezeit und Vorerfahrungen mit Schizophrenie sowie erwartete Herausforderungen bei der Schizophreniebehandlung. Ergebnisse: Dabei zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Zusagen zu einem Erstgespräch (Schizophrenie: 60%; Depression: 53%) und der durchschnittlichen Wartezeit (Schizophrenie: M = 1,6 Monate; Depression: M = 0,8 Monate). Therapeuten, die im Nachgespräch angaben, grundsätzlich keine Patienten mit Schizophrenie zu behandeln, beklagten häufiger das Fehlen spezialisierter Supervisionsangebote und waren eher der Ansicht, Patienten mit psychotischen Störungen seien unzureichend zu rationalem Denken befähigt. Schlussfolgerung: Patienten mit psychotischen Störungen scheinen auf Therapieplatzsuche ebenso häufig ein Erstgesprächsangebot zu erhalten wie andere Patientengruppen. Mögliche Unterschiede in der Wartezeit sollten mit größeren Stichproben getestet werden. Eine spezialisierte Weiterbildung und Supervision könnten das Engagement in der Versorgung dieser Patientengruppe steigern.</div>