Translated article: Handlungsempfehlungen für die dolmetschergestützte Psychotherapie mit Flüchtlingen und Asylbewerbern: Ergebnisse qualitativer Interviews mit Psychotherapeuten und Dolmetschern zu Chancen und Herausforderungen in der Triade

Hintergrund: Aufgrund der vielen geflüchteten Menschen in Deutschland, bei denen sich hohe Prävalenzen für psychische Erkrankungen zeigen, steht die psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen zunehmend im Fokus. Für die Psychotherapie mit geflüchteten Menschen müssen Psychotherapeuten in der Regel Dolmetscher einsetzen. Material und Methoden: Mithilfe leitfadengestützter Interviews wurden Chancen, Herausforderungen und Empfehlungen für die dolmetschergestützte Therapie aus Sicht von Psychotherapeuten (n = 5) und Dolmetschern (n = 3) untersucht und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Ergebnisse: Als äußere Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Psychotherapie zu dritt nannten die Interviewpartner die Notwendigkeit einer gesetzlich geregelten Finanzierung der Dolmetscherkosten, den Aufbau fester Dolmetscherpools sowie den Ausbau spezialisierter Therapiezentren. Die Interviewpartner betonten die Wichtigkeit einer klaren Rollenverteilung, des regelmäßigen Führens von Vor- und Nachgesprächen, der Passung von Patient und Dolmetscher im Hinblick auf den kulturellen Hintergrund sowie der vollständigen und genauen Übersetzung in der Ich-Form. Innerhalb der Triade wurde insbesondere die Bedeutung einer stimmigen Therapeuten-Dolmetscher-Beziehung zusätzlich zur TherapeutenPatienten-Beziehung deutlich. Schlussfolgerungen: Bei der dolmetschergestützten Psychotherapie müssen der strukturelle Rahmen und die Fähigkeiten und Belastungen von Psychotherapeuten und Dolmetschern berücksichtigt werden, damit die Behandlung gelingen kann. Weitere empirische Untersuchungen unter Einbezug der Patientenperspektive sind notwendig.